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Geschichte
Aus der Geschichte der Pfarrei Saalhausen
Quelle: Saalhausen (Lennestadt) Beiträge zur Geschichte des Dorfes
Lennestadt 1981
Die kirchliche Zugehörigkeit im Mittelalter
Das Sauerland ist erst spät christianisiert worden. Pferdebestattungen
auf einem 1888 entdeckten Friedhof bei Sporke, der vermutlich im 8.
Jahrhundert angelegt worden ist, bezeugen, dass damals im südlichen
Sauerland noch heidnische Vorstellungen lebendig waren. Erst nachdem
Karl der Große 772 den Krieg gegen die Sachsen begonnen hatte,
um sie in das Frankenreich einzugliedern, in dem das Christentum ais
Staatsreligion galt, wurde das Bergland zwischen Ruhr und Sieg Missionsgebiet.
Ausgangszentrum der Christianisierung des südlichen Westfalens war
Köln, wo es schon seit römischer Zeit eine christliche Gemeinde und
einen Bischof gab. Auf der Heidenstraße, einem in die vorgeschichtliche
Zeit zurückreichenden Fernweg, der von Köln durch das Bergische
Land nach Attendorn und weiter über Elspe und die Winterberger
Hochfläche nach Niederhessen in den Kasseler Raum führte, gelangten
die ersten christlichen Glaubensboten - vermutlich in den
Jahren zwischen 775 und 780 -, aus dem Rheinland kommend, in das
innere Sauerland. In dem damals noch sehr dünn besiedelten Gebiet
wurden an der Heidenstraße in Attendorn und in Wormbach die ersten
Missionszellen errichtet.
Das Saalhauser Gebiet gehörte zunächst wie das ganze obere Lennetal
zur Urpfarrei Wormbach. Wenn die Bewohner Saalhausens an
Sonn- und Feiertagen einem Gottesdienst in der Wormbacher Kirche
beiwohnen wollten, brauchten sie für den Hin- und Rückweg jeweils
zwei Stunden, waren also einen ganzen Morgen unterwegs. Besonders
bei Frost, Schnee und Regen war der Kirchgang mit allerlei Beschwernissen
und Unannehmlichkeiten verbunden. So durften die Saalhauser
froh gewesen sein, ais in dem etwa eine Wegstunde lenneaufwärts
gelegenen Nachbardorf Lenne - wahrscheinlich um 1200 - ein Kirch-
lein gebaut wurde. 1221 wird mit Henricus plebanus in Graschap et
Lene (Pfarrer in Grafschaft und Lenne) erstmals ein Pfarrer für Lenne
genannt. Er versah die Seelsorge sowohl in Grafschaft wie in Lenne.
Spätestens Ende des 13. Jahrhunderts war Lenne eine eigene, von
Grafschaft getrennte Pfarrei. Zu ihr gehörten die Orte Lenne, Saalhausen,
Milchenbach, Hundesossen und Stilpe.
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Errichtung einer eigenen Vikarie
Im Jahre 1780 kam die Gemeinde Saalhausen bei der kirchlichen Behörde
um Errichtung eines Beneficiums, einer eigenen Seelsorgestelle,
ein. Saalhausen zählte damals 37 Solhöfe mit ungefähr 200 Einwohnern.
Von Zeit zu Zeit kam der Pfarrer von Lenne, um dort den heiligen
Dienst zu versehen. Später geschah das regelmäßig an bestimmten
Sonn- und Festtagen. Die Bewohner von Saalhausen wollten aber
einen Geistlichen und ständigen Gottesdienst haben. In der Eingabe
an die bischöfliche Behörde wurde die Bitte um einen eigenen Geistlichen
eingehend begründet: Der Weg nach Lenne sei über eine Stunde
lang, wasserreich, sumpfig und schwer gangbar. Dazu kämen häufige
Überschwemmungen der Lenne, so dass sogar ein Pater einmal 4 Tage
nach dem Feste den Heimweg nicht habe antreten können. Es gebe
also häufig nichts mit dem Kirchgang für die gesamte Gemeinde. Viel
schlimmer stehe jedoch die Sache für die Kranken, Schwachen und
Kinder, und wenn erst die Hilfe für die Sterbestunde nötig sei. Mancher
sei in die Ewigkeit gegangen ohne geistlichen Beistand. Darum habe
sich die Gemeinde entschlossen, eine Vikarie zu bauen, die Stelle zu
dotieren mit Garten, Haus, Wiese, Feld und Wald, und sich verpflichtet,
alles in gutem Zustande zu erhalten und auch bezüglich der Kirche für
deren Restaurierung einzustehen. Sie erbitte für ihre Gemeinde und
Kirche das ewige Licht, mit ihm einen ständigen Geistlichen und in
Sonderheit auch das 13- und 40 stündige Gebet. Vielerlei andere Umstände
ließen es ratsam erscheinen, z. B. die größere Bequemlichkeit auch für
die Köhler, die zu anderen Pfarrbezirken, z. B. Wormbach, Kirchhundem,
gehörten, aber in der Nähe Saalhausens arbeiteten.
Auf diese wohlbegründete Eingabe erfolgte dann am 17. März 1781 die
Errichtung des Beneficiums, einer eigenen Vikarie.
Die Fundation der Stelle mit Einkünften erfolgte in den Jahren 1778-
1780. Sie hat ihren endlichen Abschluß gefunden in der gerichtlichen
Festlegung in Bilstein am 11. April 1780.
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Abpfarrung von Lenne
Durch die Errichtungsurkunde des Bischöflichen Generalvikariats zu
Köln vom 17. März 1781 war die Kirchengemeinde Saalhausen zu einer
Filialgemeinde mit eigenem Geistlichen erhoben. Doch blieb die Gemeinde
in mancher Beziehung noch abhängig von der Pfarrgemeinde
Lenne. An den höchsten Festtagen sollte gemäß der Errichtungsurkunde
nur für die Kranken und Schwachen in der Kirche zu Saalhausen
eine hl. Messe gelesen werden; die übrigen sollten zur Pfarrkirche nach
Lenne kommen. Ferner sollten außer den Kranken alle die Osterkommunion in
der Pfarrkirche empfangen. Auch sollten die Bewohner von
Saalhausen zu etwa notwendigen Bauten und Reparaturen der Pfarrkirche
und des Pfarrhauses zu Lenne beitragen. Es ging nun der
Wunsch der Gemeinde Saalhausen dahin, vollständig von Lenne getrennt
und eine eigene Pfarrei zu werden.
Nach längeren Verhandlungen wurden diese Bemühungen von Erfolg
gekrönt und der sehnliche Wunsch der Saalhauser ging in Erfüllung.
Durch Verfügung des Hochwürdigsten Herrn Bischofs Friedrich Klemens
von Paderborn vom 6. Juli 1836 wurde die Filialgemeinde Saal-
hausen zu einer Pfarrei erhoben. Saalhausen musste ais Abfindung
1000 Taler an die Mutterkirche Lenne zahlen und auf alle Ansprüche an
die Pfarrgemeinde Lenne Verzicht leisten und von der Pfarrkirche in
Lenne 12 Stiftungsmessen übernehmen. Vor der Errichtung der Pfarrei
hatte die Gemeinde Saalhausen bereits durch Protokoll vom
2. November 1835 und vom 28. Januar 1836 und 13. April 1836 diese Bedingungen
übernommen. Durch Verfügung des Hochwürdigsten Herrn
Bischofs Friedrich Klemens von Paderborn vom 8. Mai 1837 wurde der
bisherige Vikar Schmidt durch Herrn Landdechant Kayser unter freudiger
Teilnahme der ganzen Gemeinde in sein Amt eingeführt.
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Der Kirchenpatron St. Jodokus
Der heilige Jodokus lebte im 7. Jahrhundert in Nordfrankreich. Nach der
Legende war er ein bretonischer Fürstensohn. Er verzichtete jedoch auf
die Herrschaft, schIoß sich Pilgern an und wurde Priester. Viele Jahre
seines Lebens verbrachte er in der Einsamkeit. Aus der von ihm im Jahr
665 gegründeten Einsiedelei Runiac ging später die Benediktinerabtei
St-Josse-sur-mer (Artois) hervor.
Eine liebliche Legende berichtet uns von der Liebe des hl. Jodokus zu
den Armen und Notleidenden. Eines Tages, so wird erzählt, kam ein
Bettler und bat um ein Stück Brot. Er (Jodokus) hieß seinen getreuen
Wurmar, dem Bettler ein Stück von dem einzigen Brote, das sie noch
hatten, zu geben, das kaum für ihn, seinen Jünger und den treuen Hund
ausreichte. Wurmar teilte das Brot in vier Stücke und gab dem Bettler
eins. Bald klopfte ein zweiter Bettler und bat um Brot. Jodokus gab das
zweite Stück. Ein dritter und ein vierter Bettler klopften an und baten
ebenfalls um ein Stücklein Brot, um ihren Hunger zu stillen. Jodokus
gab trotz des Einspruches seines Jüngers das letzte Stück Brot hin.
Kaum aber war der letzte Bettler verschwunden, so sah man 4 Kähne
den Fluß hinauf kommen, die mit Brot und Lebensmitteln beladen waren
und bei der Einsiedelei hielten. Der eine der vier Kahne trug eine
weiße Flagge mit der Inschrift in goldnen Buchstaben: Der Arme, der
viermal hier flehte und jedes mal Gewährung fand, hat dieses Schifflein
hergesandt. Da erkannte der Heilige, dass es der göttliche Heiland selbst
gewesen, der in der Gestalt des Bettlers seine Nächstenliebe erproben
wollte. Der Ruf seiner Heiligkeit war bis nach Rom gedrungen. Der hl.
Vater hatte den Wunsch, den Heiligen kennen zu lernen, weshalb er ihn
zu einer Wallfahrt zu den Gräbern der Apostelfürsten aufforderte.
Jodokus pilgerte zu Fuß nach Rom im Jahre 665. Er wurde vom Papst mit
allen Ehren empfangen. Durch eine innere Erleuchtung wurde ihm
befohlen, in seine Einode zurückzukehren, da das Ende seines Lebens
herannahe. 669 starb er, nach den Worten seiner Lebensbeschreibung
wie ein Engel anzusehen.
Jodokus wird verehrt ais Patron gegen Krankheiten, besonders gegen
die Pest, und ais Schutzheiliger der Pilger. Sein Kult verbreitete sich
von den Klöstern Prüm (Eifel) und St. Maximin zu Trier, in denen er seit
dem 9. Jahrhundert verehrt wurde, über ganz Deutschland.
Die Reliquien bewahren die Abtei St. Josse und die Jodokus-Kirche in Landshut.
Im Erzbistum Paderborn gibt es weitere Jodokus-Pfarreien in Bielefeld
und Wewelsburg. Dargestellt wird der Heilige im Pilgergewand
und mit Pilgerstab. Sein Namenstag ist der 13. Dezember.
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Das Saalhauser Jodokuslied
Verfasst von Pfarrer Vormberg; komponiert von Lehrer Wagner

2.
Ja Muschelhut, Pilgerstab, Pilgergewand,
Sie machten Dir größere Freude
Ais Krone und Zepter von Gold in der Hund
Und anderes Königsgeschmeide.
So pilgertest Du, nur den Himmel im Sinn,
Mit sicheren Schritten zur Ewigkeit hin.
3.
Entfernt von den Gütern und Freuden der Welt,
In einsamer, dunkeler Zelle
Da hast Du Dein Seelenheil sicher gestellt.
Da war es im Geiste so heilte.
Du stiegest von Tugend zu Tugend hinauf,
Bis glücklich vollendet Dein irdischer Lauf.
4.
Im Himmel da bist Du nun unser Patron
Und hörest auf unsere Bitten.
Und legest sie nieder am göttlichen Thron,
Wenn wir ais Helden gestritten.
So führst Du uns sicher zum Himmel hinein,
Wo ewiglich Freude und Jubel wird sein.
5.
O hl. Jodokus, wir flehen zu Dir:
Gedenke in Liebe der Deinen!
O hilf doch, verhilf doch uns allen, die hier
Im Tale der Tränen noch weinen,
Zum Himmel, wo alles nur jubelt und preist
Den Vater, den Sohn und den hl. Geist.
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Die alte Pfarrkirche und ihre Ausstattung
Die Saalhauser Kirche, eine nach Westen gerichtete Halle, wurde
1909/10 erbaut. Ihr musste ein Teil der alten Kirche weichen. Erhalten
geblieben sind von dem kleinen, einschiffigen Gewölbebau,
der wahrscheinlich im 15. Jahrhundert errichtet wurde, das Östliche Joch und
das eingezogene Chor. Dieser alte Teil der Kirche dient heute als Taufkapelle.
Vor einigen Jahren hat man in ihm spätgotische und frühbarocke Wandmalereien entdeckt.
Die spätgotische Ausmalung aus der Zeit um 1480 besteht aus Rankendekor und figürlichen Darstellungen.
Bei den frühbarocken Malereien handelt es sich um Fensterumrahmungen,
Grate und einen gemalten Schlußstein.

Die alte Pfarrkirche um 1900

Grundriss der alten Pfarrkirche (aus: Ludorff 1903)
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Die heutige Pfarrkirche
(nach J. Jacobsmeier)
Die neue Pfarrkirche hat J. Jacobsmeier in seiner Kurzen Geschichte
der Pfarrei Saalhausen 1921 ausführlich beschrieben.
Ihr sind die folgenden (gekürzten) Ausführungen entnommen.
Die alte, aus dem Mittelalter stammende Pfarrkirche von Saalhausen
bestand aus einem einfachen, einschiffigen, völlig schmucklosen Laienhaus,
dem an der Westseite ein ebenfalls ganz einfacher Turm und
östlich das Chor vorgelagert war. Die alte Kirche entsprach zunächst
wegen ihrer zu geringen Größe nicht mehr den daran zu stellenden Forderungen.
Da ihr Fußboden sehr tief zur Talsohle liegt, war bei jedem
Hochwasser die ganze Kirche unter Wasser und dann tagelang un-
brauchbar. Ein solches Hochwasser trat am 24. November 1890, am 4.
und 5. Februar 1909 und im Winter 1911 ein. Im Februar 1909 stand die
Kirche ganz unter Wasser, so dass der Gottesdienst ausgesetzt werden
musste. Nachdem das Wasser abgeflossen, war längere Zeit in der
Kirche eine eisige Kälte. Unter diesen Umständen fasste man den Plan,
eine neue Pfarrkirche zu erbauen. Es wurde eine Sammlung in der
Gemeinde, der Jodokuspfennig, eingeführt, die monatlich abgehalten
wurde, und so wurde im Laufe der Jahre eine Summe von 46000 Mk.
gesammelt. Im Jahre 1908 gelang es, eine Kirchenkollekte und im
Jahre 1909 eine Hauskollekte bewilligt zu bekommen, die zusammen
ca. 24000 Mk. einbrachten. Nunmehr wurde der Neubau beschlossen,
und nachdem ein Plan die Genehmigung der Behörde nicht erhalten,
wurde Herr Architekt Professor Buchkremer mit der Anfertigung eines
Planes beauftragt, der die Genehmigung der kirchlichen und weltlichen
Behörde fand. Den Bestrebungen der staatlichen Denkmalspflege ent-
sprechend, blieb bei dem Neubau der östliche Teil der alten Kirche, und
zwar das baulich sehr interessante Chor und ein Joch des Laienraumes
erhalten. Dadurch wurde es auch ermöglicht, die wesentlichsten in
ihrem Zusammenhange sehr malerisch wirkenden Teile der alten inne-
ren Einrichtung zu erhalten. Der Teil der alten Kirche mit seinen Altären,
Kanzel (1791 von der Familie Plenker geschenkt), durch ein schönes
schmiedeeisernes Gitter (angefertigt von Kunstschlosser
Anton Stratmann in GIeidorf) von der neuen, höher liegenden Kirche getrennt, dient
ais Taufkapelle.
Die Rücksichtnahme auf die zu erhaltenden alten Bauteile machten es
nötig, das Chor der neuen Kirche nach Westen hin zu verlegen. Hieraus
und aus dem Bestreben, die neue Kirche derart zu gestalten, daf3 sie mit
der sie umgebenden Landschaft malerisch zusammenwirke, ergab sich
dann die nachfolgend beschriebene Gesamtanlage:
Westlich anschließend an den alten Bauteil dehnt sich der Neubau in
Form eines ungefähr 20 zu 26 Mtr. großen Rechteckes aus. Genau in
der Längsachse der alten Anlage liegt das 9 Mtr. breite Mittelschiff. Es
umfasst 4 Gewölbe und schließt mit dem außen kreisrund gebildeten
Chor ab, der innen dem alten entsprechend, aus sechs Seiten eines
Zwölfeckes konstruiert ist. Das rechte Seitenschiff umfaßt ebenfalls 4
Joche. Im ersten befindet sich der Haupteingang und im letzten, das
seitlich kapellenartig ausgebaut ist, steht ein Seitenaltar.
Das linke Seitenschiff, das an seinem unteren Ende einen zweiten Eingang enthüllt,
umfasst nur drei Gewölbejoche. Dem vierten an der anderen Seite entspricht
hier die Sakristei, die in dem hier angelegten Turm eingebaut
ist. Der Fußboden der neuen Kirche liegt ein Meter höher ais der alte.
Ein Doppelbogen und eine Treppe vermitteln den Abstieg in den alten
Teil. Eine daneben liegende Treppe führt oberhalb des Nebeneinganges
zur Orgelbühne, die im ersten Joch des Mittelschiffes angelegt ist.
Reich ausgebildete Sandsteinsäulen und Pfeiler mit ornamentalem
Schmuck stützen die hochtragenden Gewölbe, die so angelegt sind,
dass die drei Schiffe der Kirche hallenartig zusammenwirken. Es sind
einfache Kreuzgewölbe ohne Rippen. Nur in dem drei Stufen höher
liegenden Chor sind die Gewölbe mit Rippen auf Konsolen versehen,
um hier eine dem Chor zukommende reichere Wirkung zu erzielen. Auf
dem Chor steht der mit Bildschmuck versehene Hochaltar, der Seitenaltar
im linken Seitenschiff ist der Muttergottes geweiht, ganz in Gold.
An dem letzten Pfeiler vom Chor steht die Kanzel, im linken Seiten-
schiff der Beichtstuhl. Die 14 Kreuzwegstationen sind ais Doppelbilder
zu Seiten der Fenster in den Seitenschiffen angeordnet. Eine reiche
Kunstverglasung gibt dem Inneren ein stimmungsvolles Licht. Die
schönen bunten Fenster geben dem Ganzen eine weihevolle Stimmung.
Die ganze Glut der Farben ist ausgegossen auf die herrlichen
schönen Chorfenster. [...]
Dem beschriebenen inneren Organismus entspricht die Äußere Gruppierung.
Ein großes Dach überspannt die drei Schiffe in ihrer ganzen
Längsrichtung. Aus ihm wächst seitlich vom Chor der mächtige, 42 Mtr.
hohe Turm heraus, der von unten bis oben seinen quadratischen Grundriss
beibehält und mit einem reich gegliederten Glockenhausund niedrigem
Zeltdach abschließt. Das Kirchendach wird an seinen übrigen drei
Ecken durch Giebel belebt, die der inneren Anlage entsprechen. Am
reichsten ist hiervon der nordwestliche ausgebildet, der das Haupteingangsportal
enthüllt. Der ganze Bau ist in spätromanischen Formen
erbaut, die äußeren Wandflächen in Grauwacke (von Kraghammer),
alle Hausteinarbeiten in rotem Sandstein und die Dächer in Schiefer
hergestellt. Der Entwurf des Bauwerkes stammt von dem Professor
Buchkremer in Aachen, der auch den Bau leitete. Die Ausführung der
Bauarbeiten erfolgte durch den Bauunternehmer A. Plaßmann in Förde,
die Fenster fertigte Bernh. Kraus in Mainz an. Der Rohbau der Kirche
wurde mit einem Kostenaufwand von 83000 Mk. fertiggestellt. In dem
herrlichen Gotteshause hat Herr Architekt Prof. Buchkremer in genialer
Lösung des Problems der Verschmelzung der alten mit der neuen
Kirche sich ein bleibendes Denkmal gesetzt.
In kurzer Zeit erhob sich dieses schöne Gotteshaus aus dem Schutt der
alten Kirche. Am 14. September 1908 wurde der Turm der alten Kirche
abgestörzt, am 19. April 1909 wurde mit dem Abbruch des alten Ge-
mäuers begonnen. Es war ein wehmütiger Abschied, ais zum letzten
Male der Gottesdienst in der alten Kirche gefeiert wurde. [...]
Und dann fielen die alten Mauern. Der Neubau begann. Am 6. Juni
1909, am Feste der hl. Dreifaltigkeit fand die Grundsteinlegung statt.
Die Kirchenweihe vollzog dann am 11.Oktober 1910 Bischof Karl Josef Schulte aus Paderborn.
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